Aktuelle Informationen über das Coronavirus für Herzpatienten und Angehörige

Liebe Patientinnen, liebe Patienten,

aktuell entsteht durch den sogenannte Coronavirus (COVID-19) eine schwer einzuschätzende Situation die vielen Menschen zur Zeit große Sorgen macht. Besonders für Patienten mit einer kardiovaskulären Erkrankung und Ihre Angehörigen ist es nicht einfach, sich auf diese Situation einzustellen. Da Herzpatienten und Ältere Menschen ein höhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung haben, ist es wichtig, dass Sie sich über die Risiken informieren. Wir wollen Sie bestärken, zusätzliche, angemessene Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Das Team hinter ICD-Forum an der Universität Würzburg und dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz - Würzburg, möchten auch in der gegenwärtigen Zeit für Sie da sein und Sie unterstützen. Mit den folgenden Empfehlungen zur Selbsthilfe möchten wir Ihnen helfen die Krise, mit der damit verbundenen häuslichen Isolation und den Konsequenzen der Ausgangsbeschränkung so gut wie möglich umzugehen und diese Zeit zu überstehen.

Spezifische Maßnahmen für Herzpatienten und deren Angehörige

  1. Wenn Sie in einer Risikogebiet wohnen, sollten Sie sich über die besonderen Risiken und zusätzliche Schutzmaßnahmen informieren. Die Symptome einer Corona Infektion können die klassischen Symptome und typische Krankheitsbilder eines akuten Herzinfarktes überlagern, sodass dieser möglicherweise nicht oder erst spät erkannt wird (Risiko einer Unterdiagnose).
  2. Pneumokokken- und Grippeschutzimpfung stellen einen wesentlichen Schutz für Herzpatienten dar. So kann das Risiko für Superinfektionen verringert werden.
  3. Einige Experten meinen, dass eine Anwendung leitliniengerechter Empfehlungen zur Stabilisierung von Plaques (Statine, Betablocker, ACE-Hemmer, ASS), Herzpatienten zusätzlichen Schutz bieten kann.
  4. In einer solchen Situation ist die konsequente Einnahme der ärztlich verordneten Medikamente ganz besonders wichtig. Ändern Sie nicht von sich aus ihren Therapieplan ab und setzen Sie ohne Anordnung des Arztes keine Medikamente ab.
  5. Konsultieren Sie bei Unsicherheit unbedingt telefonisch Ihren Hausarzt oder Ihren Kardiologen.

Was Sie tun sollten, um der derzeitigen Problemsituation standzuhalten

  1. Versuchen Sie Ihre Tage so gut es geht zu strukturieren. Das gibt Ihnen Sicherheit und hilft in Stresssituationen.
  2. Gestalten Sie Ihren Tag aktiv und möglichst genau. Durch Planung und Zielsetzung, werden Sie das Gefühl haben die Situation selbst kontrollieren zu können. Schreiben Sie ein Tagebuch und setzen Sie sich Tagesziele. Auch die Erfüllung und das Abhaken kleiner Vorhaben wird Ihnen Freude schenken.
  3. Konsumieren Sie Medien gezielt und bewusst. Schauen und Lesen Sie nur seriöse Medien. Nur gesicherte und bestätigte Informationen bringen Ihnen einen Mehrwert und Sicherheit.
  4. Erkennen Sie Ihre Stärken neu. Denken Sie an alle positiven Erfahrungen, die Sie bis heute in Ihrem Leben gemacht haben. Denken Sie an Ihre Ziele, Wünsche, Talente und guten Werte. All das sind Quellen der Kraft die uns stärken.
  5. Legen Sie Ihren Fokus auf Positives. Das gibt Ihnen Beruhigung und Stabilität. Achten Sie auf positive Gesprächsinhalte mit Ihren Bezugspersonen.
  6. Bleiben Sie in Bewegung. Trotz der Ausgangsbeschränkung können Sie eine Runde um den Block drehen, im Wald spazieren gehen oder die frische Luft im Garten oder auf dem Balkon genießen.
  7. Halten Sie Ihre sozialen Kontakte trotz der Distanzen aufrecht. Nutzen Sie beispielsweise das Telefon oder Videogespräche, um mit der Familie oder dem Freundeskreis in Verbindung zu bleiben.

Was können Sie tun, um Ängste und Sorgen zu reduzieren

  1. Machen Sie Pausen bei der Medienzeiten oder schalten Sie das Internet aus. So können Sie die Belastung durch Medienkonsum über die Corona-Pandemie reduzieren.
  2. Suchen Sie Kontakt zu Menschen, von denen Sie wissen, dass Sie optimistisch in die Zukunft schauen. Denken Sie dabei daran, dass es sich um eine vorübergehende Situation handelt, auf die eine Normalisierung mit Sicherheit folgen wird. Lassen Sie keine unnötige Panik zu.
  3. Begrenzen Sie das Grübeln auf nicht länger als 5 Minuten am Tag und fokussieren Sie sich auf angenehme Empfindungen. Das Nachdenken über die Situation und das Entwickeln eigener Strategien ist für manche Menschen eine Art, mit Stresssituationen umzugehen. Wenn solche Strategien überhandnehmen, kann dies jedoch kontraproduktiv für Ihre mentale Gesundheit sein.
  4. Denken Sie positiv! In dieser ungewohnten Situation kann es zu unterschiedlichen Gefühlen der Angst oder Stress kommen. Nehmen Sie diese Gefühle wahr und besprechen Sie diese mit Ihrer Bezugsperson. Natürlich können Sie auch gerne professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Es gibt viele PsychologInnen und PsychotherapeutInnen, die Ihnen telefonisch oder online zur Seite stehen.

Informationen zum Coronavirus

  1. Robert - Koch Institut:
    www.rki.de
  2. Deutsche Herzstiftung:
    www.herzstiftung.de
  3. Bayrische Staatsregierung:
    www.bayern.de
  4. Corona Maßnahmen in Dresden:
    www.dresden.de

Hilfsangebote

Psychologische Hilfe zur Stabilisierung und Entlastung

Würzburg und Umgebung

  1. Beratungsstelle für seelische Gesundheit Bayerisches Rotes Kreuz Würzburg:
    Tel. 0931/41 30 80
  2. Erthal Sozialwerk Würzburg:
    Tel. 0931/55 445
  3. Das Bürgertelefon von Stadt und Landkreis Würzburg:
    Tel. 0931/8003 5100
  4. Beratung & aufsuchende Hilfe für Senioren, Stadt Würzburg, Telefonberatung und Hausbesuche im Notfall:
    Tel. 0931/37 35 10


Bundesweit

  1. Silbertelefon - Hotline gegen die Einsamkeit für ältere Menschen:
    Tel. 0800/ 470 80 90 täglich 8 - 22 Uhr
  2. Corona Hotline des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen:
    Tel. 0800/ 77 72 244 täglich 8 - 20 Uhr
  3. Telefonseelsorge Rund um die Uhr, kostenfrei, bundesweit:
    Tel. 0800/11 10 111 oder 0800/11 10 222

Einkaufsservice für Senioren und Risikogruppen

  1. Bayerisches Rotes Kreuz:
    Tel. 08000/ 275 275
  2. Malteser Würzburg:
    Tel. 0700/ 625 83 737
  3. Arbeiter-Samariter-Bund:
    Tel. 0931/ 25 07 70
  4. AWO:
    Tel. 0931/ 61 93 66 09
  5. ADAC Ortsclub Würzburg:
    Tel. 09305/ 98 99 62

Online Angebote

  1. www.quarantaenehelden.org
    die Seite vermittelt Helfende an Personen, die Hilfe benötigen.
  2. www.nebenan.de
    organisiert Nachbarschaftshilfe
  3. Gemeinschaft.online
    organisiert Nachbarschaftshilfe. Hotline 07172/ 93 40 048
  4. Facebook Gruppen "Corona-Hilfe Würzburg und Umgebung" und "#CoronaCare"



Was tun beim Verdacht, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben?

Wenn Sie den Verdacht haben, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, sollten Sie zunächst diese Fragen für sich beantworten:

  1. Hatten Sie in den letzten zwei Wochen Kontakt zu einem Erkrankten, bei dem im Labor eine COVID-19-Diagnose gestellt wurde?
  2. Haben sich in einem der vom Robert-Koch-Institut definierten Risikogebiete aufgehalten?
  3. Bestehen bei Ihnen Vorerkrankungen - was bei einer chronische Herzerkrankung zutrifft - oder hat sich eine Atemwegserkrankung verschlimmert (Atemnot, hohes Fieber etc.)?
  4. Kommen Sie mit Menschen in Kontakt, die ein hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben (z.B. im Krankenhaus oder der Altenpflege)?

(Quelle: Robert-Koch-Institut v. 24.03.2020)

Wenn Sie eine oder auch mehrere Fragen mit Ja beantworten müssen, sollten Sie diese weiteren Schritte befolgen:

  1. Melden Sie sich zunächst telefonisch bei Ihrem Hausarzt/Ihrer Hausärztin. Falls er/sie nicht erreichbar ist, können Sie sich auch mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der bundesweiten Rufnummer 116 117 in Verbindung setzen.
  2. Wichtig dabei: Rufen Sie Ihren Arzt zunächst an und gehen Sie nicht sofort in die Praxis. So vermeiden Sie ein erneutes Ansteckungsrisiko für sich und Andere.
  3. Schildern Sie am Telefon Ihre Symptome auch unter Verweis auf Ihr Reiseland bzw. den Kontakt zu einer positiv getesteten Person.
  4. Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird Ihren Gesundheitszustand vorläufig einschätzen und das weitere Vorgehen, etwa einen Termin zum Test oder Quarantänemaßnahmen, mit Ihnen besprechen.
  5. Befolgen Sie die Anweisungen Ihres Arztes/Ihrer Ärztin und halten Sie sich für mögliche Rückfragen durch die zuständigen Behörden zur Verfügung.